Elternratgeber: Gesunde Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter

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Stephanie Nitsch

Autorin

Durchfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Besonders oft stecken Viren dahinter, allen voran Rotaviren und Noroviren. Beide Erreger sind sehr ansteckend, können schon durch kleinste Mengen übertragen werden und betreffen Kinder häufig in den ersten Lebensjahren.
Für Sie als Eltern ist es beruhigend zu wissen, dass sich die Beschwerden in den allermeisten Fällen nach einigen Tagen von allein bessern. Entscheidend ist, dass Flüssigkeitsverluste rechtzeitig ausgeglichen werden und Ihr Kind aufmerksam beobachtet wird. Mit etwas Geduld, kleinen Mengen Flüssigkeit und einer altersgerechten Ernährung lässt sich die Erkrankung in der Regel gut zu Hause behandeln.
Unterschiede zwischen Rotaviren und Noroviren gibt es dennoch. Während bei Rotaviren vor allem Säuglinge und Kleinkinder betroffen sind und es seit einigen Jahren eine wirksame Schutzimpfung gibt, treten Norovirus-Infektionen in allen Altersgruppen auf und sind besonders für plötzliche Ausbrüche in Kitas und Schulen bekannt.
In diesem Ratgeber erhalten Sie die wichtigsten Informationen zu beiden Erregern: wie sie übertragen werden, welche Symptome typisch sind, welche Maßnahmen zu Hause helfen und wann ärztliche Hilfe notwendig ist. Auch die Frage, wann Kinder wieder in die Kita oder Schule dürfen, wird beantwortet.

Eine ausgewogene Ernährung ist in den ersten Lebensjahren besonders wichtig. Sie legt den Grundstein für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung, stärkt das Immunsystem und sorgt dafür, dass Kinder ausreichend Energie für Spiel, Bewegung und zum Lernen haben. Viele Eltern sind in dieser Phase allerdings unsicher und fragen sich zum Beispiel, ob (Mutter-)Milch allein ausreicht, wann der beste Zeitpunkt für Beikost ist oder was ihr Kind essen sollte, wenn es noch älter wird. Dieser Ratgeber fasst die wichtigsten Antworten auf diese und viele weitere Fragen zusammen.

Ernährung im ersten Lebenshalbjahr

In den ersten sechs Lebensmonaten reicht Milch vollkommen aus. Die beste Wahl ist dabei die Muttermilch. Sie enthält alle Nährstoffe in einer Zusammensetzung, die perfekt auf die Bedürfnisse von Babys abgestimmt ist. Gleichzeitig stärkt sie das Immunsystem und bietet nachweislich Schutz vor verschiedenen Erkrankungen. So haben gestillte Kinder beispielsweise ein geringeres Risiko für Magen-Darm-Infekte und Durchfallerkrankungen, außerdem treten Atemwegsinfektionen und Mittelohrentzündungen bei ihnen seltener auf.9,10

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfehlen deshalb, Babys in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen, sofern es möglich ist. Anschließend sollte das Stillen zusammen mit Beikost bis zum Ende des ersten Lebensjahres und darüber hinaus fortgesetzt werden, solange Mutter und Kind es wünschen.1,2

Gerade in den ersten Tagen und Wochen kann das Stillen eine Herausforderung sein. In vielen Geburtskliniken stehen deshalb speziell ausgebildete Still- und Laktationsberaterinnen zur Verfügung, die Müttern Zeit widmen und individuelle Unterstützung bieten. Oft lohnt es sich, das Stillen mit fachkundiger Hilfe etwas länger zu versuchen, auch weil heute gut belegt ist, wie wertvoll Muttermilch für die Gesundheit des Kindes ist.1,2

Darüber hinaus trägt Stillen nicht nur zur Ernährung und zum Schutz vor Infektionen bei, sondern fördert auch die enge Bindung zwischen Mutter und Kind.3 Nähe, Hautkontakt und die gemeinsame Ruhezeit fördern Vertrauen und Sicherheit. Das alles unterstützt das Baby nicht nur körperlich, sondern auch in seiner seelischen Entwicklung.

In manchen Fällen ist Stillen aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen nicht möglich, etwa, wenn bestimmte Medikamente erforderlich sind oder eine Operation erfolgt ist. Auch das Gefühl, „zu wenig Milch“ zu haben, kennen viele Mütter. Eine echte Milchbildungsstörung, zum Beispiel durch hormonelle Ursachen oder eine Unterentwicklung des Brustgewebes (Hypoplasie), ist jedoch selten. Oft lässt sich die Milchmenge durch eine angepasste Stilltechnik, häufigeres Anlegen und den Einsatz von Stillhilfen steigern, sodass das Baby weiterhin ausreichend Muttermilch bekommt.

Sollte dies aus den genannten medizinischen Gründen nicht möglich sein, bieten industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrungen eine sichere Alternative. Sie sind streng kontrolliert und so zusammengesetzt, dass sie den Ernährungsbedürfnissen von Babys entsprechen. Unverdünnte Milch von Kühen oder von anderen Tieren sowie pflanzliche Milchdrinks (zum Beispiel Soja- oder Mandelmilch) sind im ersten Lebensjahr hingegen nicht geeignet, weil sie den Stoffwechsel und die Nieren des Kindes zu stark belasten können.1,2

Auch Babys, die Durchfall haben, sollten nach Möglichkeit weiter gestillt werden. Hintergrund: In Studien konnte gezeigt werden, dass eine Stillpause das Risiko für Austrocknung (Dehydration) durch den durchfallbedingten Flüssigkeitsverlust erhöht. Eine Unterbrechung des Stillens kann zudem Stillproblemen nach einer Magen-Darm-Erkrankung begünstigen. Auch aus diesem Grund sollten Babys mit Durchfall zusätzlich zur Behandlung mit einer geeigneten fertigen Rehydrationslösung aus der Apotheke weiter gestillt werden.11

Einführung der Beikost

Mit etwa fünf bis spätestens sieben Monaten reicht (Mutter-)Milch allein nicht mehr aus. In diesem Alter benötigt Ihr Baby zusätzliche Nährstoffe, insbesondere Eisen und Zink, sowie insgesamt mehr Energie. Diese bekommt es über die ersten Beikost-Mahlzeiten in Form geeigneter Lebensmittel. Milch bleibt weiterhin die wichtigste Grundlage der Ernährung, wird aber nach und nach durch Beikost ergänzt.  Ein Anzeichen für Beikost-Reife ist, dass Ihr Kind aufrecht sitzen kann, Interesse am Essen zeigt und festere Nahrung nicht mehr automatisch mit der Zunge wieder herausschiebt.

In der Regel beginnt man damit, eine Milchmahlzeit schrittweise durch einen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei zu ersetzen. Sobald dieser gut vertragen wird, können ein Getreide-Milch-Brei und ein Getreide-Obst-Brei folgen. Mit dieser Abfolge lassen sich die wichtigsten zusätzlichen Bedürfnisse Ihres Babys gut abdecken:

  • Eisen für die Blutbildung und die Entwicklung des Gehirns
  • Eiweiß für das Wachstum
  • Vitamine für das Immunsystem und die allgemeine Gesundheit
  • Energie aus Kohlenhydraten und Fetten für Bewegung und Entwicklung.

Manche Kinder zeigen früh Interesse und möchten selbst nach kleinen, weichen Stücken greifen. Geeignetes Fingerfood, zum Beispiel gegarte Gemüsesticks, reife Obst- oder weiche Brotstücke ohne harte Kruste, unterstützen sie dabei, das Kauen zu üben und unterschiedliche Konsistenzen kennenzulernen. Wichtig ist, dass Ihr Kind dabei stets unter Aufsicht isst und keine harten, runden oder leicht verschluckbaren Stücke bekommt. Viele Krankenkassen bieten Eltern kostenfreie Materialien, etwa Broschüren mit Beikost-Rezepten und weiteren Empfehlungen für die Ernährung in den ersten Lebensmonaten.

Unser Tipp: Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, oft können diese Unterlagen online bestellt oder direkt in der Geschäftsstelle abgeholt werden.

Die Rezepte (jeweils 2 Portionen) für drei geeignete Breie haben wir hier für Sie zusammengestellt:

Wichtig bei allen Breien:

  • Vor dem Füttern auf angenehme Ess-Temperatur (Körperwärme) abkühlen lassen
  • Eine Portion kann immer gleich gegessen werden, die zweite lässt sich gut im Kühlschrank aufbewahren und am nächsten Tag erwärmen:

Erstes Fingerfood für Babys: So gelingt der Beikoststart:1

Als Durstlöscher im Alltag bleibt Wasser die sicherste Wahl. Süße Getränke wie Saft, Limonade oder gesüßter Tee sind nicht geeignet, da sie die Zähne schädigen und das Risiko für Übergewicht erhöhen.1,2

Wichtig: Fingerfood immer nur unter Aufsicht geben und Stücke so vorbereiten, dass sie weich genug sind, um leicht zerdrückt oder zerkaut zu werden.1

Ernährung im Kleinkindalter
(1–3 Jahre)

Sobald Ihr Kind etwa ein Jahr alt ist, nimmt es in der Regel am Familienessen teil. Jetzt kommt es darauf an, gesunde Strukturen aufzubauen und ein abwechslungsreiches Essverhalten zu fördern. Wichtig ist dabei nicht nur die Auswahl der Lebensmittel, sondern auch eine angenehme Atmosphäre: Gemeinsame Mahlzeiten in Ruhe und ohne Druck helfen Ihrem Kind, Freude am Essen zu entwickeln, Neues neugierig zu probieren und gesunde Gewohnheiten zu übernehmen.

Besonders wichtig sind in diesem Alter reichlich Gemüse sowie Getreideprodukte, am besten in Vollkornqualität. Vollkorn enthält im Vergleich zu Weißmehlprodukten deutlich mehr Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Das unterstützt eine gesunde Verdauung, gibt länger Energie und sorgt dafür, dass Ihr Kind angenehm satt bleibt.

Gemüse und Obst unterstützen Ihr Kind beim gesunden Großwerden. Sie liefern wertvolle Vitamine, zum Beispiel Vitamin C, das die Abwehrkräfte stärkt, oder Beta-Carotin, das Haut und Augen schützt. Auch Mineralstoffe wie Kalium sind enthalten und fördern die Gesundheit von Herz und Kreislauf.

Getreideprodukte wie Brot, Nudeln, Reis oder Kartoffeln liefern Energie für Bewegung und Entwicklung. Vollkornprodukte sind besonders empfehlenswert, da sie mehr Mineralstoffe und Ballaststoffe enthalten und länger sättigen.

Auch Milch und Milchprodukte gehören auf den Speiseplan. Sie sind wichtige Calciumlieferanten für den Aufbau von Knochen und Zähnen. Geben Sie sie jedoch in altersgerechten Mengen, empfohlen sind etwa 300 Milliliter pro Tag.

Pflanzliche Öle, vor allem Rapsöl, enthalten gesunde ungesättigte Fettsäuren und Vitamin E. Sie unterstützen das Wachstum und die Entwicklung des Nervensystems und sollten regelmäßig in der Küche verwendet werden.6

Eisen clever kombinieren: Vitamin C hilft bei der Aufnahme

Für das Wachstum und die gesunde Entwicklung, insbesondere von Blut und Gehirn, spielt die Eisenversorgung eine zentrale Rolle. Eisen ist für den Körper unverzichtbar, da es den Sauerstofftransport im Blut ermöglicht und so Energie, Leistungsfähigkeit und Konzentration unterstützt. Gerade im Kindesalter, in dem Wachstum und Entwicklung besonders schnell voranschreiten, ist eine gute Eisenversorgung von großer Bedeutung.

  • Gute Eisenquellen sind Fleisch, Haferflocken und Hülsenfrüchte.
  • Wird Eisen zusammen mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln gegessen, zum Beispiel Fleisch mit Gemüse oder Haferflocken mit Obst, kann der Körper es deutlich besser aufnehmen.
  • Zucker und Salz sollten Sie möglichst sparsam verwenden. Fertiggerichte, Süßigkeiten oder gesalzene Snacks sind für kleine Kinder nicht geeignet.6

Praktische Tipps für den Alltag

Viele Eltern stellen fest, dass Kinder am liebsten essen, wenn die ganze Familie gemeinsam am Tisch sitzt. Nutzen Sie diese Gelegenheit: Gemeinsame Mahlzeiten stärken den familiären Zusammenhalt und fördern ein gesundes Essverhalten. Achten Sie dabei auf eine entspannte Stimmung. Schwierige Themen oder Problemgespräche sollten möglichst auf einen anderen Moment verschoben werden.

Haben Sie Geduld, wenn Ihr Kind ein neues Lebensmittel zunächst ablehnt. Oft braucht es mehrere Versuche, bis Kinder ein neues Gericht akzeptieren. Kleine Portionen sind in diesem Alter völlig ausreichend, und Ihr Kind spürt selbst am besten, wie viel es braucht. Zwingen Sie es nicht, den Teller leer zu essen, sondern bestärken Sie die Freude am gemeinsamen Essen.

Unbedingt auf Hygiene achten

Magen-Darm-Erkrankungen werden am häufigsten durch Viren und Bakterien ausgelöst. Durch eine falsche Lagerung, einen unsachgemäßen Umgang und/oder eine unpassende Zubereitung können diese Mikroorganismen von (meist rohen) Lebensmitteln auf andere Lebensmittel übertragen werden. Fachleute sprechen dann von „Kreuzkontamination“.12

Deshalb sind folgende Lebensmittel für kleine Kinder nicht empfehlenswert, es sei denn, sie werden vor dem Verzehr vollständig durchgegart:12

  • nicht durchgebratenes Fleisch oder Geflügel (z.B. Steak, rosa Entenbrust)
  • rohes Hackfleisch, auch zubereitet (z.B. Hackepeter, Thüringer Mett, Tatar)
  • Streichfähige und/oder kurz gereifte Rohwurst (z.B. Zwiebelmett- oder Teewurst)
  • Speisen mit rohem Ei (z.B. Tiramisu oder hausgemachte Mayonnaise)
  • Rohmilch, damit hergestellte Milchprodukte und Rohmilchkäse (Ausnahme: mindestens 6 Monate gereiften Sorten, wie z. B. Parmigiano Reggi6 ano, Grana Padano)
  • roher Fisch (z.B. Sushi) und rohe Meerestiere (z.B. Muscheln)

Beim Einkauf und bei der Zubereitung von (leicht verderblichen) Lebensmitteln sollte darüber hinaus besonders auf Sauberkeit und Hygiene geachtet werden, damit keine Durchfallerreger oder andere schädliche Mikroorganismen übertragen werden.

  • Verbrauchsdatum beachten: Angaben auf der Verpackung wie „verbrauchen bis“ geben an, dass ein Lebensmittel, zum Beispiel Hackfleisch oder frisches Geflügel) nach Ablauf dieses Datums nicht mehr verkauft und nicht mehr gegessen werden darf.
  • Nur unbeschädigte Verpackungen kaufen: Durch Löcher oder Risse können nachträglich Krankheitserreger in/auf die Lebensmittel gelangen. Zudem können undichte Verpackungen auslaufen und der Inhalt selbst kann dann selbst zur Ursache einer Kreuzkontamination werden.
  • Keine defekten oder zerbeulten Konserven verwenden: Sie können nicht nur undicht sein wie beschädigte Verpackungen (siehe oben), sondern ein nach außen gewölbter Deckel kann dafürsprechen, dass Krankheitserreger enthalten sind, die Gase und Giftstoffe gebildet haben.
  • Die Kühlkette nicht unterbrechen: Um zu vermeiden, dass sich Keime in Lebensmitteln vermehren, sollten leicht verderbliche Lebensmittel so schnell wie möglich nach Hause gebracht und in den Kühl- oder Gefrierschrank gelegt werden. Bei größeren Einkäufen sollten diese Lebensmittel möglichst immer am Ende eingekauft werden. Im Sommer sollten empfindliche Lebensmittel in Kühlboxen oder Kühltaschen transportiert werden. Kühlen verlangsamt die Vermehrung der meisten Bakterien. Leicht verderbliche Lebensmittel sollten deshalb bis zum Verzehr oder zur Verarbeitung im Kühlschrank aufbewahrt werden.
  • Lebensmittel verschlossen lagern: Das kann eine Verunreinigung verhindern. Am besten sind dafür geschlossene Behältnisse geeignet. Lebensmittel, die länger gelagert werden können, sollten mehrmals im Jahr auf Schädlingsbefall kontrolliert werden. Sind Schädlinge vorhanden, muss das Lebensmittel entsorgt werden.
  • In der Küche und beim Kochen auf Sauberkeit achten: Kleidung, Hände und Fingernägel sollten immer sauber sein, wenn mit Lebensmitteln gearbeitet wird. Bitte während der Zubereitung auch keine Haustiere streicheln und das Berühren von Mund, Nase und Haaren beim Kochen möglichst vermeiden. Rohe und gegarte Lebensmittel nie mit denselben Küchenutensilien bearbeiten. Fleisch und Geflügel immer auf einem anderen Brett schneiden als Obst und Gemüse. Nach dem Kontakt mit rohen Lebensmitteln sofort gründlich Hände waschen (siehe unten).

Ernährung bei Durchfallerkrankungen

Wenn Ihr Kind zum Beispiel wegen eines Magen-Darm-Virus Durchfall bekommt, ist es besonders wichtig, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Am besten eignen sich dafür spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke, weil sie Flüssigkeit und Mineralstoffe in einer optimalen Zusammensetzung enthalten. Bieten Sie die Lösung in kleinen Schlucken an, auch wenn Ihr Kind zwischenzeitlich erbricht. Ein Teil wird fast immer aufgenommen und hilft, den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren.

Wenn Sie Ihr Kind noch stillen, fahren Sie damit unbedingt fort, denn Muttermilch stärkt und schützt es weiterhin. Auch Babys, die Flaschennahrung bekommen, dürfen ihre gewohnte Milch weitertrinken. Eine Teepause oder eine strenge Schonkost ist nicht notwendig. Sobald der Appetit zurückkehrt, können Sie Ihrem Kind wieder altersgerechte Lebensmittel anbieten (siehe oben). Besonders geeignet sind leicht verdauliche Speisen wie Banane, Kartoffeln, Nudeln oder Zwieback.

Kennen Sie die Moro-Suppe?

Ernst Moro (1874–1951) war Oberarzt an der Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Im Jahr 1908 konnte er mit einem alten Hausmittel, einer Suppe aus Möhren, Wasser und Salz, die Komplikations- und Sterberate bei Kindern mit Durchfall drastisch senken. Rund 100 Jahre später konnten Forschende biochemisch nachweisen, worauf diese Wirksamkeit beruht: Durch das lange Kochen der Karotten entstehen winzige Zuckermoleküle, die bestimmten Andockstellen (Rezeptoren) im Darm gleichen. Der Clou: Die Durchfallerreger im Darm verbinden sich nicht mehr mit den Rezeptoren, sondern mit den Zuckermolekülen und werden dann ausgeschieden.13

Medikamente gegen Durchfall

Manche Medikamente, die Erwachsenen helfen, sind für Kinder nicht geeignet. Stopfende Mittel wie Loperamid können zum Beispiel unerwünschte Nebenwirkungen haben und werden deshalb nicht empfohlen. Auch Probiotika oder Mittel gegen Übelkeit (z. B. Dimenhydrinat) zählen nach den aktuellen medizinischen Empfehlungen nicht zur üblichen Behandlung. Ob solche Mittel im Einzelfall sinnvoll sind, sollte immer von einer Ärztin oder einem Arzt entschieden werden, für die Hausapotheke sind sie nicht gedacht.7 Mehr dazu erfahren Sie in diesem Artikel.

Ernährung im Alltag liebevoll begleiten

Die Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter ist eine spannende, manchmal auch herausfordernde Zeit. Im ersten halben Jahr reicht Muttermilch oder Säuglingsnahrung völlig aus. Ab dem 5. bis 7. Monat kommt die Beikost hinzu, die nach und nach erweitert wird. Mit etwa einem Jahr isst Ihr Kind zunehmend am Familientisch mit. Jetzt sind Vielfalt und Ihre Vorbildrolle besonders wichtig, damit sich gesunde Essgewohnheiten entwickeln können.

Auch wenn Infekte, ein wunder Po oder das Zahnen die Ernährung zeitweise erschweren, ist das in der Regel kein Grund zur Sorge. Phasen mit wechselndem Appetit oder Ablehnung gehören ebenfalls zur normalen Entwicklung. Mit Ruhe und dem behutsamen Weiterführen der gewohnten Mahlzeiten unterstützen Sie Ihr Kind zuverlässig. Im Laufe der Zeit entwickelt es eigene Vorlieben und probiert unterschiedliche Geschmacksrichtungen aus. So wächst es gesund heran und erlebt gemeinsame Mahlzeiten in der Familie als wertvolle und schöne Momente.

Bild von Stephanie Nitsch

Stephanie Nitsch

Autorin

Stephanie Nitsch ist examinierte Krankenschwester und geprüfte Pharmareferentin mit langjähriger Erfahrung in der medizinischen Aus- und Weiterbildung. Sie betreute CME-Fortbildungen für Chirurgen, etablierte Trainingsprogramme in Kliniken und übernahm die klinische Anwendungsberatung im OP. Heute arbeitet sie als medizinische Redakteurin und erstellt Fachpublikationen sowie verständliche Patienteninformationen.

Quellen

1 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (2023). Ernährung von Säuglingen. Online verfügbar unter: https://www.kindergesundheit-info.de/themen/ernaehrung/0-12-monate/saeuglingsernaehrung/ Abgerufen am 11.09.2025.
2 Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) (2021). Elterninformation: Gesunde Ernährung. Online verfügbar unter: Gesunde Ernährung für mein Baby – Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. Abgerufen am 11.09.2025.
3 Robert Koch-Institut (RKI) (2020). Themenblatt Stillen. Online verfügbar unter: RKI – Studien und Surveillance – Themenblatt: Stillen Abgerufen am 15.09.2025.
4 European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) (2024). European Union herbal monograph on Foeniculum vulgare Miller subsp. vulgare var. dulce (Mill.) Batt. & Trab., fructus. Revision 1, 31 January 2024. Online verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-foeniculum-vulgare-miller-subsp-vulgare-var-dulce-mill-batt-trab-fructus-revision-1_en.pdf Abgerufen am 22.09.2025.
5 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (2022). Gesund leben: Erste Hilfe bei Kindern. Online verfügbar unter: https://gesund.bund.de/erste-hilfe-bei-kindern Abgerufen am 15.09.2025.
6 Netzwerk Gesund ins Leben (2022): Ernährung und Bewegung im Kleinkindalter – Handlungsempfehlungen für Kleinkinder. Online verfügbar unter: https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-fachkreise/ernaehrung-und-bewegung-fuer-kleinkinder/handlungsempfehlungen/ernaehrung/ernaehrungsweise/ Abgerufen am 23.09.2025.
7 Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE). (2024). S2k-Leitlinie Akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. Version 4.1, Juni 2024. AWMF Registernummer 068/003.
8 Kindernotfall Bonn (o. D.). Heimlich-Handgriff (Heimlich-Manöver): Erste Hilfe bei drohendem Ersticken. Eine Initiative der Abteilung für Neonatologie am Universitätsklinikum Bonn. Online verfügbar unter: https://www.kindernotfall-bonn.de/heimlich-handgriff/ Abgerufen am 23.09.2025.
9 Plenge-Bönig A, Soto-Ramírez N, Karmaus W, Petersen G, Davis S, Forster J. Breastfeeding protects against acute gastroenteritis due to rotavirus in infants. Eur J Pediatr. 2010 Dec;169(12):1471-6. doi: 10.1007/s00431-010-1245-0. Epub 2010 Jul 9
10 Plenge-Bönig A, Soto-Ramírez N, Karmaus W, Petersen G, Davis S, Forster J. Breastfeeding protects against acute gastroenteritis due to rotavirus in infants. Eur J Pediatr. 2010 Dec;169(12):1471-6. doi: 10.1007/s00431-010-1245-0. Epub 2010 Jul 9. PMID: 20617343.
11 Posovszky C. et al. (2024) S2k Leitlinie akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) Version 4.1, AWMF-Registernummer 068/003
12 Bundesinstitut für Risikobewertung (2024) Lebensmittelinfektionen im Privathaushalt – Quellen erkennen, Risiken vermeiden, Online-Dokument (zuletzt abgerufen im September 2025), https://www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-lebensmittelinfektionen-im-privathaushalt-quellen-erkennen-risiken-vermeiden.pdf
13 Rhoades J, Manderson K, Wells A, Hotchkiss AT Jr, Gibson GR, Formentin K, Beer M, Rastall RA. Oligosaccharide-mediated inhibition of the adhesion of pathogenic Escherichia coli strains to human gut epithelial cells in vitro. J Food Prot. 2008 Nov;71(11):2272-7. doi: 10.4315/0362-028x-71.11.2272

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